Staldenrieder Feldschützen jeden Alters mit 3 Gastschützen absolvierten am Sonntag vor Weihnachten im Schiesssportzentrum Brünig-Indoor einen ganztägigen KK- Schiesskurs unter der Leitung des amtierenden 300-Meter Weltmeisters Marcel Bürge und des Erfolgstrainers Dino Tartaruga, also quasi eine „schiesssportliche Sonntagsschule“.

Marcel Bürge vorzustellen hiesse Wasser in die Rhone tragen; der x-fache Weltmeister (u.a. WM Gold 300 M in Granada 2014) ist erst kürzlich vom aktiven Spitzensport zurückgetreten (leider!). Sein Palmares, auf seiner Homepage nachzulesen, sprengt den Rahmen dieser Zeilen! Marcel Bürge  wird bei der Firma SIUS ab Neujahr eine neue, diesmal berufliche Herausforderung suchen und gewiss auch finden.

Dino Tartaruga hat sich bereits einen Namen gemacht als Erfolgstrainer der jungen Sarah Hornung, die an den Youth Olympic Games (Jugend-Olympiade) Gold holte und an der WM in Granada gleich mit demselben Edelmetall nachdoppelte. Dino gilt als Spezialist für das Computer-Programm „SCATT“, das dem Schützen die letzten 15 Sekunden vor einem Schuss und die Sekundenbruchteile nach dem Schuss grafisch/farblich auf dem Bildschirm präsentiert und  hat auf diesem seinem Spezialgebiet („SCATT“)  bereits eine vielbeachtete Bachelor-Arbeit verfasst. Einmal mehr zeigte es sich nach der kurzweiligen Theorie-Lektion mit Dino Tartaruga, dass ein SCATT-Programm in keinem Verein fehlen sollte.

Die Anreise verlief sehr schnell; für mich als Sportschütze mit doch schon 50 Jahren Wettkampferfahrung zu schnell, da das Lampenfieber spürbar anstieg, je mehr die Wagenkolonne sich dem unterirdischen Schiesssportzentrum – notabene dem grössten auf unserem Planeten –  näherte. Wie vor einem Weltmeister und einem Erfolgstrainer bestehen? Wie erdrückend und vielleicht gar vernichtend würde  die Kritik an der Stellung, an der Schussabgabe, am Nachhalten, an der Ausrüstung ausfallen?  Von Natur aus nicht mit Gardemassen ausgestattet, kam ich mir in den Gängen des Brünig-Indoor immer kleiner und kleiner vor…..

Aber all diese Bedenken waren mit der freundlichen Begrüssung und dem ersten Händedruck der beiden Referenten  und der ersten Theorie-Lektion (Atmung) wie weggewischt. Bereits gab es auch den ersten Lacher, als Marcel Bürge auf eine seiner Fragen eine richtige Antwort, aber eben auf Walliserdeutsch,  bekam: „Z’Gwerr zeigt ämbri“  und diese Antwort verdutzt mit „Äh, bitte auf deutsch“ kommentierte.

Nach dem ersten Theorieblock  konnten  es die 12 „Schüler“ kaum erwarten, sich endlich hinzulegen und die ersten Schüsse (jetzt mit richtiger Atmung) abzugeben. Schliesslich war das KK-Indoor-Schiessen auch für mich persönlich eine Premiere. Andere Staldenrieder gaben sich da schon viel gelassener, hatten sie doch 2013 hier bereits einen ersten KK-Schiesskurs absolviert.

Das straffe und doch gemütliche Tagesprogramm liess denn auch keine weiteren ängstlichen Selbstreflexionen zu; voll beschäftigt mit Zuhören und Umsetzen von Tipps und konstruktiven Korrekturen aus weltmeisterlichem Munde , Schiessen auf SCATT-angeschlossene Scheiben  oder „normale“ Scheiben, Bewundern eines KK-Standblattes von Marcel Bürge mit 60 Zehnern in Folge, Austausch von Erfahrungen vor Ort und vor allem schiessen, schiessen, schiessen! vergass so mancher auf die Uhr zu schauen.

Schon war es Zeit zum Mittagessen im gemütlichen Restaurant und dann hiess es auf „Befehl“ von Marcel Bürge: 10 Minuten hinaus an die frische Luft; eine weise Entscheidung, denn das Schiessen unter lauter künstlichen Bedingungen hatte  doch zu einer gewissen Ermüdung geführt.

Aufmerksam hörten wir am Nachmittag dem Referat von Dino Tartaruga zu seinem Spezialgebiet, dem „SCATT“ , zu;  auch wenn ich  – ehrlich gesagt –  nicht alles verstand, verliess ich mich da einfach auf die jüngeren Schützen und staunte nur, was für vielfältige Möglichkeiten SCATT hier dem einzelnen Schützen bietet: Den eigenen  Schuss genau mit zu verfolgen bzw. nach zu verfolgen, Fehler erkennen, einen perfekten Schuss mit einer Mouche belohnt zu sehen etc. etc.  Erleichtert durfte ich nach 30 Schuss auf dem SCATT  aus fachmännischem Munde  zur Kenntnis nehmen, dass der Gast- Veteran  und „KK-Lehrling“ aus Visp gar nicht so viel falsch gemacht hatte……..

Was wäre ein Schiesskurs mit Theorie und Praxis ohne einen abschliessenden Wettkampf? Auch dafür reichte die Zeit noch zur Genüge. Geschossen wurde ein Final nach ISSF im Eliminations-Modus: nach einigen Schüssen mit Zeitlimite (3 Schuss in 90‘‘, 1 Schuss in 30‘‘  etc.) mussten jeweils die beiden Schützen mit der tiefsten Punktzahl aufstehen und durften dafür die andern Liegengebliebenen anfeuern.  Es siegten zwei junge Schützen vor einem Oldie, eine gute Mischung….. Bei der Rangverkündigung gab es sogar Erinnerungs – Preise für die 3 Erstklassierten aus der Hand des Weltmeisters!! Ehrenplatz daheim garantiert….

Nach den obligaten Fotos für die Vereins-Homepage (Alfred Abgottspon hatte kurzfristig aus den 3 Exoten 3 richtige Staldenrieder Schützen mit grüner Vereinsjacke gemacht) hiess es: Kurs „bilateral“ auswerten und leider schon Abschied nehmen.

Herausragend an diesem Tag war für mich die Erkenntnis, dass ein echter Weltmeister wie Marcel Bürge es nicht nötig hatte , nur von sich und seinen unzähligen Erfolgen  zu sprechen wie manch anderer Referent, sondern die Sache in den Mittelpunkt stellt – eben den Schiesssport, die Technik, seine immense Erfahrung. Das gelang ihm perfekt. Seine Ausführungen waren leicht verständlich und stets bestens illustriert. Auch Dino Tartaruga muss ein Kränzchen gewunden werden. Geduldig widmete er sich am SCATT  jedem Schützen und kniete summa summarum einige Stunden neben den Lägern 1-4!

Beeindruckend auch der gesamte Tag: die Kameradschaft, die neue Ambiance tief im Fels, das Schiesserlebnis,  das Erlernte und Erfahrene , das Abtauchen können in totale Konzentration, die Kompetenz der beiden Referenten (ein Weltmeister und ein Erfolgstrainer können nicht irren…)usw. usw. Jedenfalls erlebten die 12 Sonntagschüler aus dem Oberwallis an diesem Kurstag schon mal eine Weihnacht der schiesssportlichen Art….

Danke für die Einladung, liebe Staldenrieder Schützenkollegen, danke Marcel  („ämbri“ heisst übrigens „hinunter, nach unten….“) und danke Dino! (Bericht von Pianzola Francis)

Nachfolgend noch einige Bilder des Tages: